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"und sehen wir"
und was Karl Krolow, Reiner Kunze und Hans Mayer zu meiner Lyrik sagtenHannes Kothe-Opperau
lyrische Texte
eine Text-SammlungT A G E S B L Ä T T E R
I N H A L T
G E G E N S T Ä N D E
SOUND & Co
A.B.: TEDEUM etc.
TRÄNEN LUFT
JUDAIKA I., II.
NIEMANDSLAND
DANN JA
Petrmayr
GRÜSZE NOCH, HERR Doktor Als...
E I N R I C H T U N G E N
VIEHISCH NACH LEBEN
EIN EI VOLL WIND
PISA 1, 2., 3.
VATER(MUTTERKINDER)LAND
R E I S E B L I C K E
Kreuzung Spinne SOG
Ö S T E R L I C H E R E I S E
MIJOH VIELLEICHT MILO
dreisiebenfünf - weit davor und noch heute
ETRURIEN IM EINDRUCK
L A N D P A R T I E
AUGENSCHEIN (Pastorale I)
BEILÄUFIG (Pastorale II)
WENN ES ABEND WIRD (Pastorale III)
G E G E N S T Ä N D E
SOUND & Co.
as LoveParade
Auch mal Singsang
vor der Tapete.
Doch die Seife ist
vom Schlager längst verwaschen.
Und mit fetten Sprüchen
volle Null am Hut.
Was dauernd da an Krise ist
probiert sich frei zu schrein.
Und töst der Sound im Kopf: Dass
alles rum geht volle ex.
Der Rhythmus fetzt nen Gipfel rauf.
Und Drumming bringt es volle raus.
Die Sache ist,
wie wenn da was
auf starken Herzschlag macht.
Das Affen geile Feeling dann,
dass alles da im Gleichtakt ist.
So was wie FRIEDENSLÄRM
SCHALLT DICH DA AN.
Und die Totale ist
ganz auf der Haut.
Kein Missen und in Zero greifen:
Man hat sich immer schon,
wenn man da im Getöse ist.
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A. B.: TEDEUM etc.
Er hat mit schieren Worten nicht zu Beschreibendes organisiert
Und es in seinen Harmonien den tauben Welten offeriert. Die
Schämten sich aber ihrer Harthörigkeit nie. Am Ende Grüße
Aus des Herrn Kaiser Franz-Josefs Gartenhaus: Alleweil noch
Unterthänigst gewesen – Ihr sehr ergebenster Bruckner, Anton.
Die lichtstrebige Gewalt seliger Geister. Bei diesem Meister so
Klangbürtige Scharen: Die Chöre überflügeln in goldwolkener
Sehnsucht alle Beschwörungskunst der Zeit. Da den Menschen
Die Engel doch samt Glauben vergehn - aber flederwischig im
Kirchenstuck und vielen andren Werbeträgern wieder auferstehn.
Ihr Heiligen alle, Euer irdischer Freund ist nun lange hin und seine
Renaissancen betten ihre Zeitlichkeit in diesen fetten Oberswolken
Weihrauchs. Die Werktreue als so ein bürokratisches Äquivalent.
„Die hobeln doch nur ganz schön brav ihren Soundso herunter!“
Wer könnte je wieder das Jenseits so an den Himmel zaubern
(an dem heute der Orbitflitter zieht) und wer wird den Leuten
Verklärung deuten (denen die Melodie verloren ging) wer aus
Dem Kreißen aller Dinge noch einmal solche Harmonien ziehn?
Claude Debussy: Musik ist der Ausdruck des Unaussprechlichen
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TRÄNEN LUFT
1 2
Wunden,
Die das Leben schlägt,
Baden wir Stress
In heißen Tränen aus, Und alles
Die unsere Seele nicht ist da abgefuckt
Vergießen kann. Du bist wie Gummi
schlaff
Und bläst dich aber
doch noch auf
Und raus aus deinem MegaLoch
Da wird Belebung prall
Und der Zustand
fliegt
Bis du für dich
ganz fat
über deine Kante
bist
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J U D A I K A
I. SAMUEL BAK's
(entfernt an Botticelli erinnernd)
Gesichter,
Gesichte tragend.
Antlitz schwere Tafeln stehen im Licht.
Seelentempel schwankend:
Zerborstene Symbole im tiefen Raum.
Klassische Gebilde: verhüllt, umwunden.
Zerschundenes. Und die vielen offenen Male.
Irrläufte umher.
Gesichter.
Tief gedränte Fassaden.
Ein Volk aus den geteilten Fluten.
Auf dem dornigen Weg durch die Zeit.
Das Grauen als Bürde:
Leichengraugelbe
und diese Blutbräune
auf jedem Blatt
der Geschichte.
Und weiter sein.
II. Lettern
(für Hans Mayer, Salcia Landmann, Victor Klemperer ...)
Lettern.
Und Sinngebilde mit Worten gemalt.
Weshalb soll es einen wundern:
Da sie doch mit den Buchstaben
herangewachsen sind (dieser
fesselnden Wahlverwandtschaft).
Beharrlich aus ihrer Summe zu zeichnen
unternommen haben:
Das URBILD, bleibende Sicht.
Das Auge ahnt hingegen:
Es gibt keine eigentliche Begegnung
mit dem schon immer ERHOFFTEN.
Doch diese Erkenntnis:
Dass man EIGENTLICHES nur
mit dem inneren Blick wahrnimmt (jenseits allerdings
der schönen Behauptung, das geschähe
mit dem Herzen).
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NIEMANDSLAND
Der Tod lebt
von den Jahren. Sauft
uns die Farbe aus den Blütenkelchen.
Aber eher setzt sich alles Tönen
in ein Sagen um: Als dass die
schmalen Rosenstraßen uns
in die fernen Ziele liefen.
Der Tod ist
gelb vor nichts. Und tanzt
auf Schlagrahmwolken mit den Weibern:
Die ihm ihre Kinder lieben.
Aber eher tuscheln die Äcker sich
den Wettersegen zu: Als dass
geraubte Tränen uns
zum Brot des Lebens würden fließen.
Der Tod bläst
den Seelenwind. Und
schlägt mit jedem Atemzug
die Fuge Nacht.
Aber eher silbt das Wort
das Sinnen auf: Als dass
dem dunklen Niemandsland
lichtsteile Orgelpfeifen wollten sprießen.
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DANN JA
(als Ballettfigur)
Die Erwartungen an
diesem Tage
Die Erwar...
an diesem Tag
Die Er...
an die... Tage
Die Die D...
Die Erwartung an
diesem Tag
Die Die
Die bringt die Hoffnung
an
diesem Tage
Die Erwar...
Wenn die Erwart...
Wenn die Er... Hoffnungen
zeitigen
Wenn Er...
Wenn Er... Hoff...
Wenn Er... Hoff... zeitig...
Dann Ja
Wenn Wenn Dann Die
We... We... Da... D...
W E D A D
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Petrmayr
FARBFORM@KatAlog20...
NahWeite, darum(herum)
das Erahnte, die AnteilSplitter noch -
AbschnittElemente darunter.
Undallesweiter von dem,
was JA die ReindenkZeit nie zulässt.
Abseits des so genannten geübten Blicks (
dieses Alltag beschlagenen). Empfindlich, wo
du es gar NICHT mehr aufzulösen glaubst:
Ergriffen-, Verschoben-, Gereiht-, ja Angedockt-ES.
Und VERWÜNSCHT-wünschenswerten Sinn
ja nicht gleich (oder noch besser
: überhaupt nicht) ANGENOMMEN.
Weil nämlich ALLES um ALLES sich
gelegentlich GERADEZU aufdrängt.
Gleichwohl: Eindruck @ Augen-jump im Nerv,
wenn etwa dort die Vermutung siedelt: Bunte,
so etwas wie Belege @ versammelter BLEIBE.
So ein Ausruf dazu: Dass die Erkenntnis vereinzelt
das Wort beschweigt. Wie das wirkliche Auge sich
vor dem ab-gesehenen Gegenstand hinterm Lid verbirgt.
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GRÜSZE NOCH, HERR DOKTOR ALZ...
Wie.
Was. Wo war DAS gleich - oder alles: ERSIEeS
Wenn es die vielen Möglichkeiten.
Und. Wovon auch immer. Ja das Ganze
im Grunde.
Das Langgezeilte für dich. Ein Geschenk, was du irgendwie noch für Gedanken hältst.
Diese Klaffen aber.
Riesen Risse mittendrin.
Es liegt
ja manchmal richtig schwer
auf der Zunge, freilich. Und ist weg.
Oder war da überhaupt was?
Du schaust:
Wenn deinen Blicken schließlich
doch kein Gedanke mehr folgt: sehen dieAnderenirgendwann
Was war’s noch gleich: Vor dem Absaufen sich
retten aufeine Insel Erinnerung, ja, irgendwo und das
gefährliche Vergessen darumrundherum:
wie ein Meer wie ein Mehr. Du versucht dich
worin und
ach so: Immer wieder schwimmen.
Wo ist der Schwanz von diesem Fisch. Irgendwo,
Herr Doktor. Wie denn: Wenn man dann als
Schatten im eigenen Traum firmierte? Ach
Wann
ist man längst für
die Anderen die LIEBEN darunter
ach ja denenpeinlich Das
war es immer: Die Liebe mit ihrem dicken Arsch
erdrückt ja eigentlich die Pein.
Oder längst nicht mehr. Alles ist
umgekehrt und die Mutter hätte einem auf das Maul
Vater. Was ist das? Wieder
tauchen da noch feste Punkte auf: O ja die
eingebläuten Sprüche: Die granitene Brocken sind im Hirn der Seele.
Vater unser. Heil! Aber wie hieß der doch?
Gott mit dir, du Land
Da war doch noch was!
Gleich weg Wenn noch ein Funke
dann der: Dass der sofort
E I N R I C H T U N G E N
VIEHISCH NACH LEBEN
Jenseitsschiff.
Dem ausgebauchten Kiel sind
die freien Gewässer fremd geworden.
Doch stark vor Anker:
Das alte Schiff hält sich am sicheren Grund.
Im (weichen) Hafenbett
die goldnen Ruder halten.
Und die großen angejahrten Worte
Tönen unverdrossen den Traum von einer guten Welt.
Doch stets das Ärgernis:
Das ewig junge Leben treibt ohne Auge
ohne Ohr vorbei.
Und zudem immer dieses Sickern
durch die fugigen Spanten:
Die ungebärdige Gegenwart
dringt in den auf heilig erkannten Leib:
Und alles wittert viehisch nach Leben.
Da gilt es zu schöpfen.
Die auf göttlich erkannte Schöpfung
will immerhin getätigt sein.
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PISA
Null-1
(lernen)
Zeit. Zeit. Nichts
weniger
: Als das Augen-, das Ohren- und so weiter
als das HändeHirn (das es ja ist).
Dagegen diese Nicht-
angetroffenheit:
My own is my castle.
Stetig ist jedoch
der Brückenschlag.
Und Grund gelegt
: Sogar
vom Ausgang her.
Was wegzutragen
wäre, das könnte es sein
: Es ist indes
so schwer.
Bemerkenswert dagegen
: Die Leichtigkeit der
Schwäche.
Angenehm vor allem
: Die Bedeutungsträchtigkeit.
Null-2
(lehren)
Burn-in, das Flimmern im
verlässlichen Behufe:
Die enorme Gedanken-
kugel (die Welt gar),
denkbar „ruhig geschoben“.
Ein rundes Werden, sinngemäß.
Zum Trost umfangen mit Lächeln
& Bedeutungsgraden (diesen Maß-
EINHEITEN).
Die Fäden hingegen
verfehlen sich mitunter
mit ihren Enden: Asche (Aus-
gebranntes nämlich), schweigt es verzagt.
Gleichwohl ein Pausenloses:
Lächeln & Bedeutungsgrade auch um
ORIENTIERUNGS-Größe angetan.
In der Folge zeigt es sich
anhaltend: Aus allem
immer üppiger WERDENDES.
Ein Knäuel gar: Wohl-
tuend auf BedeutungsgErade
herabgesetzt (Die kürzeste Verbindung ...).
Verstrickung wird endlich möglich:
Die WÄRMENDE.
Null-3
(leeren)
- - -
- - -
. . .
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EIN EI VOLL WIND
So viele Bilder drängen sich
in meinen Horizont.
Aus allen Winkeln der Welt
flimmert es auf mich ein.
Und wenn ich mich
anschicke, türmen sich im Nu die Eindrücke.
Aber alles scheint schon
zugestellt in meiner Welt.
Ach.
Mit all dem mutterseelenallein.
So reime ich mir die ganze
Schose aus dem Wind der Himmelsrose.
Und ich lasse mich immer
wieder auf dem poetischen Nistplatz nieder.
Dort bringe ich ein Ei voll Wind
hervor. Und gebe vor,
es auszubrüten.
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VATERLAND - so nach '89
Vater...?
Ist’s nicht auch Mutter-
und ein Kinderland?
Unser Land.
VATER(MUTTERKINDER)LAND - Rückvorausblick
Vaterland und gelle Patrioten.
Die Narretei mit Blut und Boden.
Sie wollten auf fremdes Blut erkennen
und sich die besseren Menschen nennen.
Sie raubten ihrer Opfer Gut,
vergossen in Strömen unschuldiges Blut.
Und büßen noch die KindesKinder
für diese skrupellosen Schinder.
Zumal‘s den neuen Narren gibt
der diesen Wahnwitz wieder liebt.
Vater(MutterKinder)Land - zweiter Versuch
(Maueröffnung ´89)
So viele Füße überschwebten
zwar für Augenblicke nur - doch immerhin
den Grund an diesem deutschen Tor.
(Wenn man nur bedenkt
was für böse Geister dort schon spukten.)
Und das starre Gespann über der Menge schien
für Augenblicke nur - doch immerhin -
in rasendem Galopp:
Alles triefte von Küssen.
Und in der geballten Faust war heute
die glückliche Flasche.
Das törichte Herze schwellte einem die Brust,
auch wenn man nur via Mattscheibe zugegen war.
Für einen Augenblick fühlten sich alle
in diesem (zwar ungern so genannten Vater-)Land
als ein Volk
und man war
(wieder einmal) von der Geschichte
so besoffen.
Vater(MutterKinder)Land – Einlassung (nach ´89)
Die Ereignisse haben es gezeigt:
Da sind immer die Verzierungen,
die uns im Denken geschehen und
die uns dann unter die Worte geraten.
Geschmeidige Wendungen sind da und
stets diese Versuchung, Wind zu machen und
ein laues Lüftchen andern in die Ohren zu blasen.
Doch man weiß ja: Dass die Wahrheit
so ordentlich ist. Sie wäscht sich (früher
oder später) von all unseren Grotesken rein.
Darum begegnete bald schon den
Brüdern und Schwestern der verklungenen Sonntagsreden
die Wirklichkeit (die nun einmal ein Ziehkind der Wahrheit ist):
Da ging ihnen auf,
dass sie all die Jahre zuvor
schiere Kunstfiguren waren.
Vater(MutterKinder)Land - Schmährede
Dessen muss man sich
bei Dir liebes ...
alle Mal gewärtig sein:
Dass du es
immer wieder bringst
mein liebes ...
Am stärksten jedoch
unter den Peitschenhieben
deiner Donna Geschichte.
Du machst
Bange.
Denn durch die offenen Fenster
der Welt
dringt deine Lautwonnigkeit.
Du
...land.
Vater(MutterKinder)Land - fünfter Versuch
Diese kabarettistischen Momente
gelegentlich:
Da zwängen sich die schieren Umstände
in die vielen Worthülsen.
Und sie verdrängen von dort den
gemeinen Sinn.
(In gewissen Situation würde die Wirklichkeit,
hätte sie Beine,
ihren eigenen Interpreten aus dem Wege geh’n.)
„Wir sind das Volk!“, hat man noch im Ohr.
Wir sind ... - was auch immer (jedenfalls
gemeinhin ohne Macht darüber).
Freilich sind da auch
die vielen Rollen auf den eigenen Brettern,
die uns Zeit bedeuten.
Und immer wieder Bühne frei!
Was dann auch jedes Mal
zum Vortrag steht: Wir werden
es zur Aufführung bringen. Denn
in der Moral des sozusagen blinden Zufalls
haben wir schon immer das Zeittheater mitvollführt.
Vater(MutterKinder)Land
gemischte Betrachtung der Zipfelmütze
Von der Firne Himmelsnähe
zu der Täler reichem Glück.
Heimatlied in Reih und Glied.
Müh und Geld für heile Welt.
(Bis dass das Säckel leer und schlaff)
Hinter Wassers Deichbestürmen
weiden Rinder grünes Glück.
Bankenhort und Kapitalkonsort.
Arbeitsplatz und Sozialversatz.
(Bis dass der Schornstein nimmer raucht)
Was alles so im Herzen wohnt.
Was auch nicht das Hirn verschont
bewegt schlechtweg die ganze Welt
(soweit sie sich dem Zwerg erhellt).
Drum Mütze auf und Zipfel runter
durch die Zeiten ziehen munter:
Vaterland und Mutterboden
und das Landeskind gezogen.
Vater(MutterKinder)Land VII - erneuter Anlauf
Wenn du schon theaterst.
Dann ...
Wenn du zur Erbauung
deiner selbst (wie du auch eben
verfasst sein magst) undoder deiner
vorderen Ränge ...
Wenn du also
wieder dein Wesen treibst
dann
sei gefälligst entgegen
deiner Gewohnheit (sonst)
kein ruchloses
Vater, Mutter,
Kinder fressendes Land ...
R E I S E B L I C K E
KREUZUNG: Spinne SOG
(Nach LL, MOD, KF, GAP oder ...)
Die Straße fließt in dir,
auf der die Köpfe hinter Scheiben ziehn. An der Gosse
entlang reisert sich mitunter der Hund (in dir) den Weg.
Versenkt hindurch! (Oben verfehlt der Silberpfahl
den gelben Regenschutz.) Unten heißt es: Meide
die Nacht. An Wänden entlang
sprechen aber Graffiti Bände - und ungeschminkt
die eigne Wahrheit. Nimm oben den Asfalt: Frei
von platten Dosen und zerbrochnem Glas. Dein Weg –
und zu den andren Städ/tten: Überall die Kissen
auf der Fensterbank. Da ist das Warten ohne Ziel:
Der freundliche Augenblick weht dich an und fegt (zum
angenehmen Schein) die Langeweile fort. Im Gerinne aber
lassen unsre teuren Besen nichts verrotten. Dann noch
der Blick von der verirrten Bronze: Er sticht
von seinem festen Fundament ganz uferlos ins Leere.
Nicht weit davon wartet die heilige Kapelle
auf „ein Ros“, das noch nicht entspringen will. (Und
das grüne Licht erlöst den Eiligen.) Um Weihnacht flirrt es
an den Häusern seelenvoll. Gewiss ist alles, wie
„alles fließt“ des frühen Griechen. Nur, der Raum bleibt
scheinbar stehen. Doch alles Geschehen formt dir Zeit.
Heraklits :“panta rhei!“
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B I L D U N G S R E I S E - p r e i s g ü n s t i g
Am Brenner:
Ich ahne Sonne hinter den Bergen, und da wärmt der
Gedanke, dass sich die Bilder aus den Ansichtskarten drängen.
Die Werbung tönt: San Remo, an der ital. Riviera gelegen,
hat zu allen Zeiten ein internationales
Publikum angezogen.Das günstige Klima,
Zu Milano:
Von Reflexion befallen: der türmchenbekrönte
Marmordom (Gottesirrtum über die Zeiten), Bank und
Despotenburg (auf klassisches Dreiecksverhältnis erkannt).
Ein Geschichtsbild: Die Sforzas benutzten Mord als Politmitt
el, haben aber Kunst gestiftet, sagt der
Busfahrer. Echter Adel dagegen die Borro
Zielseits Riviera:
An der azurnen Rampe,
mit geschäftiger Enge da und dort (aus
allen Winkeln der Welt die Sedimente der Paradies-
Vorstellung und therapeutischen Bedeutung des Meerblicks).
So ein Ortsbild: Kilometer Marmorpflaster (weiß/rot) der Uf
erpromenade; die private russische Kirche
ist nachts bunt beleuchtet, eine Besichtigu
Zwischen Gründerzeitbarock:
Schwer mit Historie befrachtet,
Cappuzzino schlürfen. Und dann
noch zum Santo hinauf: Durch enge steile
Gassen (das romantische Spiel der Geschichte
mit der Angst und Not) der Eingeborenen. Drüben den
Hang hinauf: Die blind glitzernden Augen der Blumenbauern.
So ein Sittenbild: Wassernot. Man weiß nichts Genaues, sa
gt die Reiseführung, um die alljährlichen Brä.
nde Allerdings verdunkelte dichter Wald die L
Freilich:
Nietzsche war da (mit Zarathustras Weltverbes
serung). Very important poeple ließen ihre
Schlösser und Villen zurück (als fest verpack
te Geschenke an die dienstbare heimische Welt).
Diese gesuchte Stätte im zeitigen Frühjahr: Ein
e ältliche Dame am frühen Morgen, die einsame
Nacht noch im faltigen Leib (mit irgendwie jung
en Augen) und etwas unförmig - noch ohne die
gegen den neugierigen Tag schützende Schmink
Doch:
tief eingeritzt in das breite Agavenblatt dort am Strand,
sticht mir schließlich ein Seufzer ins Herz:
Jimy ls. Swany,
Da bin ich wieder bei mir.
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MIJOH VIELLEICHT MILO
Beim Hören des Quartetts habe ich den Esprit
bewundert - und mich mit den Tönen augenblicklich
nach Frankreich entführen lassen. D. M's musizieren aus
biographischen Paradiesen und in literarische Freundschaft
gebettet. Solch geistig-seelisches Klima: D. M's Bureauräume waren
womöglich elysäische Hallen.
Wo heutzutage nach MS DOS oder sonstigen Systemen arbeitende
PCs (Rechner, Bildschirm, Festplattenspeicher, Drucker) ständig
Einsatzbereit mit umfangreichem Datenzugriff und internetionaler
Doch bald suchten Fragen ihren Ton:
Befinde ich mich nur im Garten Eden, so lange ich nicht
nach den Früchten vom Baume Fortschritt meine Hand ausstrecke?
Und ereignet sich die neue Musik nicht gar in Abwesenheit aller, denen
Leben Melodie (und umgekehrt)?
Darius Milhaut (:mijoh oder milo): französischer Komponist, Aix-en-
Provence 1892 ... Schüler von ... In seiner frühen Zeit der romanti
schen, später der atonalen Richtung angehörend ... Diplomat ...
D. M's schaffen: Auch groteske Acht-Minuten-
Opern (die Wunderlichkeit des Sich-Ansingens thematisie
rend) und eben das hier: für Flöte, Oboe, Klarinette, Klavier. Der verwegene
Oktavensprung und Gegeneinandergereiztes.
Man kann den Bildungsstand heraushören und die technikbeflisse
ne Dikussion zwecks Ausschöpfung aller Möglichkeiten zwischen
den Tönen. D. M. scheint ohne Scheu vor nervigen Effekten u. dgl.
Bach kommt mir da in den Sinn (Gott segne das
ehrbare Handwerk) Wolfgang Amadé ... – und gefällig harmonisierten. Auch,
dass sie heute in E- und U-Musik teilen und die Melodie als Dirne verachten, die
sich dem billigen Schlager vekauft.
Die diskursive (i.S. v. Habermas) Sprache ist angefochten, zerfalle
n ist auch die Identität der Erfahrung, das in sich kontinuierliche
Leben (Zit. Adorno). Als deren Begründung die Melodie gelten kön
Und es scheint doch so, dass die Klang-Geräusch-Welt heute beinahe
haltlos auf Expression als Wirklichkeitskulisse steht, vor der die Moderne
abbildend operiert ... (Man sollte versuchen schon in den Schulen - und
wo man sich auch sonst über den Menschen hermacht - die akademische
Musik über die Gewohnheit zur Schönheit - und ins Gemüt gelangen zu l
Im Fortgang dieser Übertragung bin ich überrascht vom beflissenen Kiche
rn der gebildeteten Damen und Herren (im subventionierten Saal). Dere
n Hysterie sich steigert im Maße der Zurücknahme der Verfremdung des
music joke’s: happy Mondscheinsonate.
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dreisiebenfünf - weit davor und noch heute
(Besichtigung RAVENNAS)
Das historische Durcheinander
aus dem Lautsprecher vom Brummen
des Motors untermalt. Völkerwanderung
jahraus, jahrein. diese Geräusche vermengt
mit geschäftigem Trippeln germanischer Horden
(auf Turnschuhsohlen).
"Gordischer Knoten" - 1. Version: in Gordion, Kleinasien, aufbe
wahrt; mit dem Orakel behaftet, dass derjenige, der ihn löst, die
Herrschaft über Asien erränge; Alexander ...
Unter programmatischer Strenge
glasbunter Heiligen. Nichts wächst
in den Himmel. Alles, alles versinkt im
Sand (hier). Wer hatte da den richtigen Gott
gehabt (in klammer Düsternis) und die Macht, ihn
durchzusetzen? Oder wo haben sie Galla Placidia, die
Römerin, vierhundertfünfzig hingebracht? Und wie kam der
schwere Deckel ein Jahrhundert zu spät auf Theoderichs Topf?
"G. K." - 2. Version: griechische Sage; der Knoten zwischen Deich
sel und Joch des dem Zeus geweihten Wagens; der Löser erränge
Weltherrschaft; und der große Alexander ...
Diese vielen Versuche mit
dem Instrument der Vermählung.
Ist es wahr, dass Kulturen, die freilich
Leben sind, durch Befruchtung entstehen
und durch das Schwert (welches auch immer) sterben?
Wer hat dieses Meisterwerk geknüpft, in welcher Zeit, mit welcher
Technik (die stets Ausdruck von Geisteshaltung ist)? Geht es um
die Macht und Menschen wie Alexander und seinen Epigonen?
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ETRURIEN IM EINDRUCK
Nachfahr dieses irgendwie verschwiegene
n Volkes sein? Aber im Boden (unter den
Füßen) eine Ganzheit wissen. Vom Staune
n durchzogen (wie allerdings jeder Winkel
der Welt). Doch im Wesentlichen unbehell
igt sein von großen Punkten der uns mitge
teilten Geschichte.
Dort suchte man ja gerne, sich zu finden.
Die Fragmente: Dome und andere Versuche
eines frühen Pius Stadtidee als Groteske in
Stein. Es duftet aus Gewölben mit Wein un
d anderen Köstlichkeiten. Und ein paar Hü
gel weiter der Pulcinella. Das ganze Treibe
n unterm Mantel der Geschichte von Refle
xion kaum angenagt.
Man riskierte (nüchtern), das eigene Dafürh
alten als Wirklichkeit zu setzen.
Auf den sanften Höhen hausen. Hoch hinaus
will ja das Leben allemal. Und von den Häng
en fließt der Weizen (der ja nicht wissen kann,
wer ihn drischt - und den Boden vergeudet).
Doch unter der Erde ist die unerwartete Schön
heit des Todes: die Damen, Herren und Kinde
r auf ihren Sarkophagen.
Allerdings wagt man dann doch nicht mehr, an
ein Verweilen zu denken und macht sich mit d
en Anderen ins immer flüchtige Leben davon.
L A N D P A R T I E
AUGENSCHEIN
(Pastorale I)
Die Sonne flirrt
durch ein paar Ritzen im Verschlag.
Der Blaumann tritt
die Viktualien auf der Stelle.
Gelb erst knallt die Pusteblume ins Licht
und der emsige Hahn ist überm Hühnervolk.
Schlägt der Regen auf die bunten Tupfen,
wäscht sich graubraun, was nicht sattes Grün sein will.
Die Eindrücke von gestern sind
die nasse Wäsche auf der Leine.
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BEILÄUFIG
(Pastorale II)
Worte purzeln
durch die Finger vor dem Mund.
Es huscht auch mal
ein Grinsen über die Züge.
Und im Faltenwurf der Haut -
mit den Jahren immer tiefer -
kauert beharrlich das Weltbild.
Auf deinem Weg liegen diese Steine,
an denen man sich immer stößt.
Du wirst sie dort aber lassen,
obschon sie ja sehr handlich sind.
Ansonsten
hinter dem schäumenden Glas hervor
den nahen Horizont fest im Auge behalten.
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WENN ES ABEND WIRD
(Pastorale III)
Wenn du nicht so richtig
nach der Uhr lebst,
hat die Zeit hier noch ihren Glockenschlag.
Zwar dieses Zuckerwerk, das zum Verrat an der Volksweise führt. Viel
Lärm und Bewegung dazu. Und die Nestflucht der Jungen. Auch löste
das Streichelvieh die großen Milchleiber ab. An manchem Tag werden
die Menschen zu Regen. Es durchsickert klamm und das Gesicht zieht
sich mit den Wetterzeiten in die Länge.
Würdest du achtsam sein, stellten sich Bilder ein:Auch die bemühteste
Melodie erreicht nie den Reiz der Lerche überm Feld. Man hat es eher
mit greifbaren Dingen. Wie das Drama der Waschmittelentscheidung
das Gewissen fordern will. Immer später flimmern ferne Geschichten
durch all die glasflächigen Fenster.
Doch wenn es Abend wird überm Dorf,
ist manchmal der ruhige Atem wieder
tausend Jahre alt.
Aus Kontakten:
Karl Krolow über meinen Gedichtband Trebegängers heiliger Kram:
"Sie haben einen Ton für das Kräftige, Derbe wie für das Empfindliche.
Beides liegt ja möglicherweise enger zusammen, als man denkt: die
Entschiedenheit und die Sensibilität ... Das Kraftvolle, Intensive überwiegt ..."
Reiner Kunze zu Polis und Herzgebau: "Ich habe so manche originäre Fügung
in Ihren Gedichten gefunden und freue mich . (Die Hände sind eigentlich /
die Hände des Gehirns! - Hervorragend!) Darf ich Ihnen die Hand drücken? ..."
Hans Mayer, Tübingen :
"Wenn einer einen Text schreiben kann wie 'Nichts' mit der Zeile:
Der Tod ist / gelb vor nichts", so weiß er doch, was ein Gedicht ist. ..."
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