Verlag: PIT Dieter Lenz,
Handerystr. 86,
D 1000 Berlin 41
Druck: Joachim Schwarz,
Berlin — November 1978
TEBEGÄNGERS
HEILIGER KRAM
Dietrich Kothe
PIT
(in der Originalfassung von 1978)
Trebägngers heiliger Kram
Himmel I
Dieser Himmel so blau — auweia,
au, blau... —
so weit;
schrecklich weit:
Keiner kann ihn sich erlaufen!
So muß denn
dieses Blau von dort oben
leider schon auf der Zunge zergehn!
Und die Sonne; na, na, danke schön:
Die saftsaugende
Hur!
Typisch das,
das ist alles was du von diesem
Himmel hast: Eine Sonne, die ...
ein Blau, das ...
Laßt uns mit ‘nem kräftigen
Schluck diese zähschleimige
Enttäuschung verdünnen:
Das Blau im Zustand
ist ein Erlebnis
aus der Sehnsucht aller
Frommen: Herrgott,
wir Himmelsburschen!
Komm, komm!
Heute zieht die Straße noch;
grau durch grün und
bunte Häuserzeilen. - Laß
es liegen!
Laß die Latschen treten!
Am Ende liegen Ziele rum,
und zwar zur freien Wahl!
Dein Warenhaus, von dem
der Stubenhocker nur träumen darf!
Himmel II
Dein Himmel ist
in dieser Welt — irgendwo.
Himmel, echter Himmel:
Nicht immer zu sehn und
selten zu begreifen!
Die Seligkeit hat
wie ein Stück vom Schwein
nunmal etliche Schichten:
Dem Philister sein Teil ist
von Fett und Fleisch; und
auf der Schwarte sitzt
der Bonze als Laus und
saugt den Saft heraus ...
Wenn die beiden schon
an den besten Stellen sitzen,
wo könnte dann
mein Platz noch sein? –
Laß ab! – So laß denn ab! ...ab!
Jede Schicht hat
ihr Gewicht und ist
drum schwer zu tragen!
Und du arme Sau
gehst dich sowieso schon
hart!
Ein Stückchen Himmel
für `nen gestutzten Engel:
Ein Stückchen Himmel
könnt ich trotzdem brauchen!
Flügel kann man sich immer wieder
kaufen, und zwar bei Emil
in der Schnapsbutik!
Täglichbrot
Du wirst dir
schon -
dein Wegbrot. Dein
Täglichbrot ...
Bei jeglichem
Himmel:
fratzende Wolken und
verspiegelnde
Hitze.
Das läuft unter dir
hindurch.
Gaffende
Sonnen darüber.
Dein täglich
Wegbrot
im Heute
verliehen. Und in
der Nacktheit deines Plans
verzehrt.
Seligkeit
Bekenntnisse: über jedem —
zum Leben, zum Tod — da schweben Träume
als kleine bunte Himmel —
nun ja, das gibt sich so! ...
Aus freien Stücken: zum ...
Trallala.
Zu einer Welt, die ein Stockwerk tiefer
liegt, zu sich ...
Dazwischen huscht ein rechtgläubiger
Engel rum, hebt erdenschweres Dasein
hoch: Wer‘s nochmal versuchen will,
der bitte jenen zum Schutze
an sein Bett!
“Seife, Suppe, Seehenheil“,
laß dich mal wieder entlausen!
Das bieten fromme Geister feil.
Nimm‘s, dann kannste besser laufen!
Und wem es doch
gleichgültig ist,
der konsumiere die Seligkeit
schon in seiner Welt:
sekundenlang und immer wieder ...
durchkreuzt vom Teufel: die
Bulln, die Leute ... Warum
kann ein Eingeborener nicht
leben, wie er leben muß? —
Kurz ist Glück. Naja.
Aber wohltuend, wie sich‘s für Glück
gehört!
Auf alle Fälle liegt
deine Welt nebst allen Illusionen —
liegt deine Welt — liegt ein Stockwerk
unter — unten ...
Komm, besoffener Kadaver,
heute ins Heu getaucht!
Morgen ein verkaterter Braver:
diakonisch mit Tee gestaucht!
Treff bei Diakons
Fettsträhne, Schmierkragen,
Sauerluft: Treff bei Diakons!
Aha, Süßer, der kann noch
bissel; dagegen ist Kommodenlack
schon lendenlahm! — Nuja, der
Suff is auch genug Vergnügen.
Unsereiner kann nich alles ham!
He, hast‘n Nobelgänger mal
getroffen? Ging mit‘m Rad!
‘n Einkaufsbeutel links und
rechts, in die er seine Sachen
hat.
Globe, geht bei Stadtasyl die
Bleibe suchn!
Laߑn hierher kommen: Zwick mer ihm
den Radio ab!
Machst mit?
Der globt, der is was Bessres!
Himmelherrgott, den krieng wa schon!
Scheißkerl! Hundsfalot! Drecksack!
Kommodenlack, hast sicher noch ‘ne volle
Pulle! Los her, wir saufen
mit: Wirst sehn, wir werden uns noch
mehr verstehn!
‘nen Schluck, da
nimm! ‘nen Schluck! Da,
nimm! — Ziehst aber
kurz! Hier, zieh!
Sonst biste draußen!
Mußt zuschaun, wie wir vor dir verlaufen.
Wegfliegn. Und du bleibst stehn!
Mensch, Penner!
mußte immer laufen, kannst dir
die Welt nichmal von einem
Standort aus besehn?
Du Fiosofenarsch! Jetzt
hast den Dreck!
Was stellste doch für Fragen!
‘nen Schluck! Da nimm! Sonst
tret ich dir!
‘nen Schluck!
Schon gut; gib her!
He, ich!
Los Mensch, das Ding
hat Flügel!
Und was da rauskommt,
nenn se Geist!
Ha, zisch!
Das gute Zeug, wie‘s
läuft und schmeckt und dreht und dreht!
Jetzt ist‘s soweit:
Mit nur zwei Strichen, hin
und her auf Brummelbaß,
spielt Dauersuff —
kippt um
und schweigt sein Röcheln aus.
Und der Quartale stößt
in die Posaune
seinen gefährlichen Oktavensprung.
Und Nerventyp schruppt
seine Geige
tausendmal im gleichen Ton.
Zwänge
Worte huschen zwischen
Mauern
prallen fallen
streichen Ohren
heben
und lassen die Seele sinken
Begriffe lassen sich fassen
und wenden auch
mit plumpen Händen
Doch Mauern stehn
Ich will das Wunder
daß Mauern gehn
Und die Worte sollen
versteinern zu Kieseln
schwinden dann
im Strom des Lebens
getrieben zerrieben
Füße
Wagen
mit Fernen bepackt
Räder mit
Zielen beschlagen
Fahrer, Geräusche
Wind ...
Füße, die Füße
poussieren die Straßen
Amts
flederwischiger Klecks
Robe glatter Sachlichkeit als
Wirklichkeitskonstrukt allen eifrig
aufgeschwätzt
Normwerdung im zwodreivier Marschtritt
über der Seele Gärten Eden
kreisrund amtsöffentlich
Vernichtungsprotokolle
unter gesichertem
Verwahrungsverschluß
nicht privateigener Zuträgergesellen
halt an Mann
siehe gefälligst
sonst erfolgt Amtsanamtung
verhältnismäßige Erfordernissachzwänge
und bedenke kein Wortgnom
und kein Jota
verlustig
alles gehortet
im Wanste der Dezennien
dieser Schutt im Kanal
und unsere Zukünfte werden
darum so schlecht gelaunt sein
und wer möchte ihnen dann
begegnen
Unterkunft
wenn ihr
für uns Typen Häuser baut.
Stellt doch nur
‘nen dritten Stock in die Luft.
Von dort pißt es sich so lustig
vom Balkon.
Belaßt eure werte Anstrengung beim
Fundament.
Weil uns die Straße aus den engen
Buden zerrt.
Vor allem aber zieht dort
keine Decken ein.
Die falln uns dauernd auf den
Kopf.
Ja, nich? So pingelig is unsereins:
für uns zu baun, muß erst ‘n
Genie geborn wern!
Gesellschaftsspiel
Rollenerwartung,
Instrument der Gesellschaft.
Rollenerwartung und Gruppenritual:
Alles Mechanisierbare ist
so erleichternd.
Gruppe und Rolle. Sowas
wie psychischer Stallgeruch.
Mistet die Augiasställe nicht aus!
Denn: “Wo Mistus, da Christus!“
ham se früher gesagt.
Intoleranz erkennen als
Erhaltungsmechanismus der Kultur.
Duldsamkeit als
Letzte Ölung für die eigene Art entlarven.
Finanziert trotzdem gelassen
Subkulturen als Ausstellungsstücke.
Subkulturen darf man getrost als
parasitäres Anhängsel sehn.
Abschreckungseffekte erzeugen!
Wie können sonst unsere Kinder
der Eltern Art als
das Bessere ausmachen lernen?
Jesellschaft
Je mußte sein.
Nachdem mußte sein.
Wie se spieln mußte tanzn.
Spielst ja selber auch
die andern auf.
Wenn de weißt, wie de dir
jebn mußt,
dann hastes leichter allemal.
Nix ändern, Mensch.
Ne frischgetünchte Bude is so unkommod!
Den mußte
auf die Fotn kloppn, der
den Teppich hebt. Denn
drunter hamwa Kehricht jefecht!
Die vom Amte.
Von der Kirche.
Die Weiber, die dir
‘ne alte Jacke almosn vom Chef.
Laß se predjen!
Die brauchn dir vors Seelnheil.
Wie du Seelnschmalz von ihnen brauchst.
Die müssn jlaubn, daß
du‘s Lebn aus ihrn Händn nimmst.
So‘ne Ansprüche stelln se.
Drunter tun se‘s nich!
Nämlich:
Wenn de
irjendwo bleibn willst, wer de bist,
mußte
woanders werdn, watt se wolln!
Prinzip
Glück is einfach:
glückgehabt.
Is schon schön,
wenn‘s juckt:
Sonne aufn alten
Buckl,
‘ne lange Straße aus‘m
Haus,
paar Kumpl, ‘n paar Märker
und ‘n Zustand drauf.
Oder wenn der erste Schluck
am Morgen gleich unten bleibt.
Wiedermal schweinhabn.
Aber vonwegn
Seehnsucht und so.
Nee,
mit mir nich mehr!
So‘n Pastornquatsch und
Jungfraunquak!
So‘n Hoffn kost dir immer
noch ‘ne Pulle mehr.
Könntst ja glatt so‘n Alkoholischer werdn!
Sehn', den Aufpreis aufs Lebn. Für ‘ne
Wolke Dunst? Wirste doch nich zahln!
Hoffnung soll doch, wer
sie finanziern kann!
Tabus
Zeichen
Chiffreneruption ist wie
Runenerguß für diesen und jenen
transzendentale Marken
Dicke Zungen kleben an der
Kuppel des Schweigens
aber
pralle Existenzen wollen sich zeigen
Überall Mauern
Mauern
wie Pilze nach Mauergewittern
und
Mauern erwecken Schrecken nach
Getanem
und Mauern werden immer beidseits
der Mauern beklagt
besprochen von Sprechern beweint
mit Tränen
bezeichnet von diesen und jenen
Mit Mauern tuen‘s alle
Zeichen
Runenerguß
Zungen
zeigen
Lassen
Wenn ich geh, lass‘ ich
den Eindruck von mir da.
Ein Gespenst,
das so manchen erschreckt.
Auf diese Weise werde ich aber
immer wieder meinen Schatten los.
Ich lasse ...
doch auch andere lassen ...
Deshalb sind da Tage,
an denen ich durch Spaliere von
Gespenstern zieh!
Achtung
Nebelfinger greifen aus
der Senke.
Greifen dir
in deine Wolle.
Greifen unters dünne
Hemde deiner Seele.
Nebelfinger!
Nebelfinger!
Oh, verkriech dir,
verkriech dir
almählich wegn die klamme Hand!
Spucke
Ick fühl mir wie‘n
Brockn.
Ick Stein, jewalzt,
immer jerollt immer jekuglt.
Und nu
bin icke janz rund!
Ick Stein.
Irjendwo bin icke jeworn.
Irjendwo werd icke veijehn.
Irjendwenn ...
Aba,
mackt an uns Olln
nich mehr so rum:
Soviel Spucke habta nich,
daßa uns worein quatschen könnt.
Nehmt euch
die Jung vor, sonst verkomm die janz mit die
steijende Krimnalität.
Fugenmaterial
Ich fühl mich wie
ein Stein.
Ich Stein,
im Strom des Lebens transportiert.
Die Kanten allmählich
gebrochen.
Ich Stein.
Ich Stein, irgendwo
zwischen Ursprung und Mündung.
Aber versucht nichts mehr mit uns
Kantenlosen!
Mit Rundlingen Mauern hochzuziehn,
das kostete zuviel Fugenkitt.
Für eure Gebäude nehmt
frisch behauenes Material!
Mottn
Lebn
so‘n Schiet.
Imma
der olle Jram, jrämst dir
wejn Lebn.
Allet
Eijenbau:
Icke, mein Jott, und
Nerven strippn durch die Birne.
Ick flanze schon die Binsn,
in die icke mir schlaje.
Wenn de nich trebst,
biste dauernd selber
hinter dir her!
Irre, wie?
fühlst dir schuldig und
verjatterst dir!
Kannst dir niemand
ranschmeißn.
Kriegst die Mottn!
Akt
Leben, mein Gericht.
Kein Richter außer mir.
Kein Schuldspruch,
Keine Gnade.
Die eigene Verdammnis.
Ich, mein Gott, und
Nerven strippen durchs Gehirn.
Und ich erschaffe meinen Untergang.
Meiner Gerichtstage
selbstzerstörerischer Masochismus.
Maßstab und Ahndung.
Ich selbst bin hinter mir her!
Zerrissene Wirklichkeit:
Täter und Richter.
Keine Hand, in die man sich begibt.
Schmerzende Befindlichkeit.
Kneifn
‘nen Job,
sicher, den hatte man schon.
Aber einmal
hatte man auch die Schnauze voll.
‘nmal
da bleibt die Weckuhr stehn.
Und die Maschine hier drinne
wird nich mehr aufgezogn ...
Dann geht‘s los, auf und
los!
Und dann is das Kneifn
raus.
Wie ein verklemmt gewesner Furz!
Suchn
Im Herbste, wenn die Sonne
knickrich werdn tut.
Da trebste nichmehr so
in die Weitn.
Machste dir auf,
um hintern Nebel zu kiekn,
zu suchn.
Und der Herbst kommt dir,
wenn de erstmal auf der Fresse
lagst!
Nämlich:
Die Straßn tun dir imma kürza
werdn.
Und dann biste um ‘nen Tag
im Bahnhof froh.
Siehst se komm, siehst se gehn.
Und du kriechst im Kreise
rum.
Lieber Jott hinterm Nebl
und so
und ‘n anständjes Grabe ...
Wo willste sonst noch?
Suchen
Im Herbst ziehst du nicht mehr so
in die Weiten.
Du machst dich auf,
um hintern Nebel zu tasten,
zu suchen.
Der Herbst kommt dir
nach einer Zeitlang Regen.
Ein paar Silberstreifen — Silberfäden.
Und eines Morgens sind es Schleier,
die das Herz verhüllen.
Wie soll ein goldner Herbst
dich dann erhellen?
Trägt er dich
an Allerseelen vorbei?
Im Herbst ziehst du nicht mehr
so in die Weiten.
Du machst dich auf,
um hintern Nebel zu tasten,
ob noch ein Quentchen Zukunft
geworden ist.
Mußte gehn
Sie baun und baun.
Sie baun sich ihre Häuser.
Und ziehn
in diese Grüfte ein.
Wenn aber einer mal
ein Haus machte, der will auch
handanlegen an die ganze Welt.
Die wo er sich selber ausdenkt.
‘ne King is er für sich alleene,
bildt er sich ein.
Malochn, malochn früh bis spät.
So pfuschn die Kingwichte
an der Erde rum. Aus der doch
alles selber machn möcht.
Und Umweltschutz labern se.
Weil alles verdreckt.
Wegschmeißn tun sie ihr Geraffe.
Alles Verpackung: Auto
Flasche, Klamottn.
‘ne Matratze im Wald.
Und neulich war da
in der Kleidersammlung ‘n fast neuer,
‘n fast neuer Anzug.
Ohne Loch in der Hose.
Nur ‘n bißl groß.
In der Nacht mußte gehn,
vor die Türkn
an der Kleidersammlung warn!
Spießer
Die könn sich
ooch nich leidn.
Die obn sind, wolln se
beklaun.
Aba, wenn einer richtig
obn is, denn
stinkt da keiner mehr
jegn an!
Die Mikrijen dürfn sich
ooch nich muckn.
Sonst jibt‘s eins
aufs Maul.
Und heiße Ohrn.
Sozialisch füttert immer eins
das andere von obn
nach untn.
So kommt ooch unsereins
zu seim Teil.
Sozialisch müßn se von obn
immer bißl wat laßn, sonst
quiekn die klein Schweine
wie die Schweine im Schweinestall.
Lärm vors Futter jibt.
Philister
Sie lieben nicht die,
die über ihnen sind.
Sie begehren nur,
was die umgibt.
Dankbar sind sie denen allerdings,
die sich oben ausgebreitet haben.
Weil sie den allzu schnellen Aufstieg
von ihresgleichen unterbinden.
Ja nicht zu weit
den Hals übers Hühnerhofniveau gereckt,
sonst tritt
die Hackordnung in Kraft!
Die oben wesen, die wissen,
daß sie Brocken fallen lassen müssen,
groß genug, damit die Mäuler gut
zu stopfen sind.
Und wem‘s nicht reicht,
für den gibt‘s ein Bündel Versprechungen.
Auf das er mehr oder minder sanft
hingewiesen wird.
Aber umgebracht
wird heute von uns‘ keiner mehr.
Wenn er sich hinten
an die Schlange stellt.
Scheißfreundlich
Mal triffste den
hier:
Hannes is in Dings jemacht.
Mal triffste den da:
Jos hats Husten jekriegt.
Am Ende is ville
jewesen:
überall Zeitung, was
war:
Quak, von Maul zu Ohr, von
Maul zu Ohr.
Nee, jeschriebn muß da
nix wern:
loste nur zu mit runtezjeklappten
Kinn - kannste nämlich besser
hörn.
Und dann looft‘s mit dir,
wenn de trebst.
Und du trägst‘s aus,
trägst dazu, trägst zusammen:
richtig fleißig biste!
Und woanders losn se dir
mit offenem Maul.
Nee, jeschriebn muß da
nix wern und sein.
Jeh mir bloß ab: jeschriebn und
die Obalehrer!
Du trebst und trägst, so
biste Zeitung.
Wenn de ville hast, dann
freun se sich, wenn de kommst:
wie se alle heißn ...
sojar der Diakon is scharf
zu wissen ...
und ab und zu macht sich auch ‘n
Bulle an dir ran ...
Scheißfreundlich sind se
alle!
Inhaltsverzeichnis
Trebegängers heiliger Kram
Himmel I 4
Himmel II 5
Täglichbrot 6
Seligkeit 7
Treff bei Diakons 8 - 9
Zwänge 10
Füße 11
Amts 12
Unterkunft 13
Gesellschaftsspiel 14
Jesellschaft 15
Prinzip 16
Tabus 17
Lassen 18
Achtung 19
Spucke 20
Fugenmaterial 21
Mottn 22
Akt 23
Kneifn 24
Suchn/Suchen 25/26
Mußte gehn 27
Spießer/Philister 28/29
Scheißfreundlich 30
Wow
Anhang: Verlagsmitteilung
Plutonium hat keinen Geruch
Stück in fünf Akten - von Arno Reinfrank 56 Seiten, DM 7,—
Was geschieht mit den radioaktiven Abfällen?
Eine Frage, die gegenwärtig weltweit diskutiert
wird. (Und die keiner recht zu beantworten weiß).
Der Streit ist heftig.
Und als wäre dies nicht genug, stellt Arno Reinfrank eine zweite Frage:
Und was geschieht mit den Menschen, die Reaktorabfälle beseitigen?
Selbst wenn wir eines Tages das Problem der Sicherheit technisch lösen:
Bleibt der Mensch nicht das große Sicherheitsrisiko? Ist der Mensch überhaupt fähig,
unter dem Druck extremer Gefahren und extremer Sicherheitsvorkehrungen zu leben?
Ist der Fortschritt der Wissenschaft auch ein Fortschritt des Menschen?
Fragen über Fragen beim Lesen von Arno Reinfranks zweitem Theaterstück.
Es hat für mich einen surrealen Charakter. Die Personen benehmen sich wie Narren.
Oder wie Menschen auf einem Planeten, der nicht der ihre ist. Es ist voller Grauen.
Und das Gelächter — um den letzten Satz des Stückes zu zitieren —
ist immer an der falschen Stelle.
Heinz Vorberg, Torseryd
Zu beziehen bei:
PIT Dieter Lenz, Handjerystr. 86, D 1000 Berlin 4
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Anmerkung statt des 1978 erschienenen Vorworts:
Die Texte sind nach einer mehrjährigen Arbeit in einer Einrichtung für Obdachlose
entstanden.
Sie wurden vom Verlag PIT in Berlin, der nicht mehr existiert,
veröffentlicht und sind vergriffen.
Sie sind nun, auf gelegentliche Anfrage hin, via Internet einzusehen.
Kritische Einlassungen dazu sind gerne willkommen.