Hannes Kothe-Opperau

Zeitennehmer

        ein Roman


"... damit sich auch auf unserem

widerspenstigen Planeten die

wesentliche Aufgabe des Weltalls

erfülle, das dazu da ist, Götter

hervorzubringen."

Henri Bergson

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Zum Inhalt

 erstes Buch

Komödie einer  Selbstentzweiung                                                                                              

Tom hatte ein wenig Karriere gemacht und sich zur Redaktion einer Klatschspalte hinaufgearbeitet. Tom wird irgendwann erkennen, dass er seine Stellung dem Schulkameraden Karl verdankte. Dieser in den Augen von Tom als Halbgott wesende Karl hatte sich zum Manager entwickelt und spielte in der Highsociety eine bedeutende Rolle.

Karl schien Tom benützt zu haben, indem er ihm gezielt Informationen zukommen ließ.

Die Erzählung setzt an dem Punkt ein, wo Tom von zwei gedungenen Schlägern, die offenbar auf brisantes Material angesetzt waren, angegriffen worden war. In der Folge ist Tom aus der Bahn geworfen. Im Krankenhaus, später im Kranken-, eher erzwungenen Wartestand reflektiert Tom die Ereignisse um seine Person und Profession: Er scheint von seinem Schulkameraden Karl fallengelassen worden zu sein. Denn Tom war während des Brandes, der bei der Einweihung von Karls Luxusdomizil ausgebrochen war, zufällig zu Bildmaterial gelangt, das Karl hätte bloßstellen können. (Tom wird später auf die Vermutung stoßen, dass sich Karl von den Kosten zu Lasten der Versicherung befreien wollte, um das Kapital im neuen Osten der Republik zu investieren.)

Im Wartestand hat Tom Zeit, Rückschau zu halten. Er hatte früher bereits Erlebnisse aus der gemeinsamen Schulzeit mit Karl (etwa in den 60ern) niedergeschrieben. Da sein Wartestand kein Ende nehmen will, macht er sich auch daran, seine Journalisten-Job darzustellen und sich an mehr oder minder zufällige Begegnungen mit Karl zu erinnern. Er setzt seine Aufschreibungen fort - und erkennt dabei auch, dass er als Jour­nalist sozusagen keinen Ton für ein Publikum hat.

Die gespaltene Person Tom kann den Schatten seines Idols Karl auf „normalem“ Weg nicht verlassen und überschreitet am Ende gänzlich die Grenze der Normalität, landet im Irrenhaus.

 

zweites Buch

Noten einer Erzählinstanz

Erst in der Irrenanstalt wendet sich die Sicht auf die Haupt­personen seiner Kontakte. Tom gelangt zu neuen Ansichten. Er bekehrt sozusagen seinen Therapeuten und zieht schließlich mit ihm missionierend umher.



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ZEITENNEHMER


erstes Buch


Komödie einer Selbstentzweiung


Zu schreiben ist die bedeutendste Art zu schweigen


Sterne schwebten durchs Dunkel. Das Kreisen im Kopf war dann allmählich lang­samer ge­­worden.

Und nun dämmert es dir, Tom, alter Junge. Die Sache da am Schreibtisch in deiner Re­dak­tion wird dir langsam klar: Außer dir war ja niemand mehr da. Dann aber Ge­räusche im Gang. Wie Marschtritt. Gleich tauchten zwei Gestalten auf. Sie bauten sich vor dir auf und kamen sofort zur Sache. Fotografien wollten sie, die von neulich.

Aber sonst braucht ihr nichts, Männer?, wolltest du noch auf cool machen. Da wa­ren je­doch die Fäuste von dem einen, groß wie Vorschlaghämmer. Und du hast dein Grinsen so­fort aus dem Gesicht genommen. Welche Fotos, bitte? Ach so, solche von diesem Brand da in der Nobelherberge -- wie hieß der Bonze gleich noch, bei dem das Feuerwerk ab­ging?, wolltest du Abstand markieren. Ach so ja: Mentenheim ...

Die Schläger hatten vermutlich kein Verständnis für Spaßetten. Sie fingen gleich an zu arbeiten. An dir. Und auf ihre barbarische Art.

Die ha­­­­ben dich zerlegt, Tom. Und da sprichst du jetzt mit dir, als ob du dir selber außen vor wärst. Es tut aber doch irgendwie gut. So als wollte es heilen, nachdem was wegge­schnit­ten worden war. Sich selber anlabern. Du sprichst eben mit dir. Wo ja sonst eh keiner ist, mit dem man zu reden hätte. Und sprichst mit dir wie mit einem anderen, den du gar nicht so richtig kennst.

Du tastest an dir herum, wie um zu fühlen, ob du dir nicht auch körperlich abhanden kamst. Da merkst du, dass du richtig eingewickelt bist. Und verpflastert. Überall. Sie haben dich in dieser Heilwerkstatt hier schon wie eine Mumie zurecht­gemacht. Und das ist auch gleich da. Dass du aus dieser deiner Konserve rausglotzt. Und dass du dann irre wieder auf dich zurückgaffst. Oder so ähnlich. Auf dich starrst, noch dazu mit irgendwie weit aufgeris­senem Auge. So etwa mit innerem Auge.

Was dir so alles kommt, wenn du nicht mehr ausweichen kannst. Wenn du dir nicht mehr davonlaufen kannst. Du schwebst rich­tig über dir. Wie es sein soll, wenn man seinen Kratz­fuß gemacht hat. Dass man da für eine Weile über seiner Hülle flattert.

So liegst du die ganze Zeit. Wie lange schon? Du klärst das nicht. Die schiere Frage be­friedigt bereits, weil sie die Tür offenhält. Wie dich immer alles Ungelöste ange­törnt hat mit seinem Versteckenspiel. So ist das Leben, gönnst du dir. Ungeklärt. Bis zu­letzt.

Dann reißen sie die Tür auf. Und du siehst, wie sie ein Bett reinkarren. Eine frische Band­scheibe, hat der weiße Kerl zu dir hin gesagt. Er parkt das Bett ein. Er macht es linkisch wie ein Fahrschüler. Er misst mit Blicken immer wieder den Abstand. Ran­giert herum. Du versuchst dich abzulenken. Du glotzt an die Decke.

Jetzt hat er aufgehört.

Schön wach bleiben, Opa Sänger!, hast du gehört. Und zu dir hin: Ein bissel auf­passen, Herr Nachbar! Ja? Dieser Herr hier will nämlich wieder in Richtung Nirwana. Und dann bleibt er uns wo­­möglich für immer dort.

Der Pfleger tätschelt Sänger die Wange.

Der Alte starrt ins Leere.

Kaum ist der Pfleger draußen, ist die frische OP wieder weggetaucht. Tiefes Atmen.

Wenn es ihm wohl tut, denkst du. Du bist kein Aufpasser, sagst du dir. Schlafen ist allemal gut. Wenn alles weg ist. Bis auf den Müll vom Tag und was sich da abfilmt. Ja, höchstens träu­men.

Sein tiefer Atem. Ein Rasseln jetzt. Dazwischen ein steiles Auflärmen. Du fährst zu­sam­men. Es hallt von den Wänden. Da fällt dir die Nacktheit der Wände hier erst so richtig auf. Die paar winzigen Bilder richten dagegen nichts aus. Das Kruzi­fix über der Tür hält deine Blicke für Momente gefangen. Du wartest auf einen Gedanken dazu. Da kommt jedoch nichts. Mensch, fährt es dir durch den Kopf, nicht auch das noch: Blicke, denen keine Ge­danken mehr folgen -- und schöne Grüße von Doktor Alz­heimer. Das laute Auffahren des Alten reißt dich davon weg. Dann sein Aus­set­zer. Fast ist es im Rhythmus: Aufbäumen, Absturz, Aufbäumen. Du wartest jetzt rich­tig darauf, dass der Alte wegbleibt, ertappst du dich. Da, ein leises Kollern. Neben einem liegen, wie er sich davonmacht. Wohin?, schau­ert es dich richtig. Und dabei streift dein Blick wieder das Kruzifix. Da reißt dich ein pral­les Schnarchen aus deiner Ratlosigkeit. Du erschrickst. Rapide anschwellend der Lärm. Ag­gressiv. Dann stürzt es ab. Du hältst den Atem an. Totenstille. Lässt du ihn abschrammen? Und plötzlich ein Sägen. Noch mal dieses jähe An­steigen. Das sich gleich in einem Stöhnen entlädt. Warten, wie es weitergeht. Du meidest den Kruzifixblick. Da ist es wieder. Es reißt dich. Vielleicht kriegt er doch die Kurve zu seinem Abgang. Du wirst nicht Alarm schla­­­gen. Was kann man dir anhängen? Da ist aber gleich sein Lärmen. Und es schwillt zu die­sem dröhnenden Röcheln an. Ein Schrei der Gurgel nach Leben, dass es widerhallt. Aus. Es ist eine ganze Weile so ein Spiel. Die­ses Pokern mit dem Tod. Ein Prickeln läuft dir über den Rücken. Wenn du ihn verenden lässt. Du als Mörder. Dann gehörst du auch zu den vie­len Alltagskillern. De­nen man es nicht nachweisen kann. Dass sie Menschen auf dem Ge­wissen haben. Die sie auch zu Tode gebracht und allein mit ihrer Feigheit -- und noch be­quemer mit ihrer Untätigkeit, Faulheit, ihrem Wegsehen umgebracht haben. Ein perfekter Mord!, denkst du im Spektakel, den der Alte gerade wieder macht. Und dass du eigentlich doch auch so ein feiger Hund bist.

Jetzt ist Ruhe. Und du hast es sowieso satt. Dein Kopf. Der verdammte Schädel. Du hörst ein Murmeln neben dir. Das wird deutlicher, da hörst du hin. Der Alte ist an­scheinend noch in seinem Narkose­rausch. Wie du genau hinhörst, kriegst du mit, dass er da wohl einen Hit­ler heilen will und dann auch noch einen Sieg: Sieg heil. Und das eine ganze Weile so. Na ja, denkst du dann, wenn schon, gönne ihm seinen seelischen Stuhlgang.

Der Kopf brummt dir unterm Verband. Und das linke Auge tickt dazu. Ein irres Kon­zert in der Birne. Man könnte lachen. Wenn das nicht wieder Terror machte.


Anderntags ist dein Gespensterheiler hell wach. Da war das fernöstliche Putz­mädchen. Und das hat bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen, den er dir jetzt ver­mit­­­teln will. Die hätte noch Platz in seinem Bett, hat er gemeint. Ein bisschen was müsste bei ihm ja noch drin sein, ist er richtig aufgekratzt. So wie sie es jetzt im Film immer bringen. Weil das Fern­sehen immer dreckiger werde, hat er geschimpft. Du wun­derst dich noch darüber. Da hast du von ihm bereits was von moralischer Zer­setzung ge­­­hört und dass alles dem Verfall entgegengehe, wo die Schwulen aus ihren Lasterhöhlen hervorkriechen würden und die Ka­naken aus aller Welt sich hier rum­trieben bei uns und dass alles verrasse und dass es das frü­­her nicht ge­­­geben habe.

Bei eurem tollen Führer und seiner Wahnsinnstruppe!, ist dir da rausgerutscht.

Er hat nichts mehr gesagt. Du warst überzeugt, ihm or­dentlich eins gegeben zu ha­ben.

Es hat jedoch nicht lange gedauert, da ist der Al­te wieder da gewesen. Er hat dir mit­ge­teilt, dass er sich vorgenommen habe, bei dem Mäd­chen irgendwann ordentlich hinzu­grei­fen. Und als er dann seine Knochenhand hebt, wie um es zu beschwören, da fällt dir ein: Der Tod und das Mädchen -- dieses Gedicht und Schuberts ergreifende Me­lodie dazu ...

Er hat nach­gesetzt: Wenn sie ihm bloß in die Nähe komme ...

So ein Tonfall, denkst du noch. Es hat ja sogar irgendwie nach Sehnsucht ge­klungen, wie er das brachte. Ob so einer zu so einem Gefühl überhaupt fähig ist?, fragst du dich. Es war vermutlich nur deine Po­­esie. Du entscheidest dich dann für dirty old man.

Im Altersheim, erfährst du, im Altenheim, das sie jetzt Seniorenheim nennen, weil ihnen das Alter Angst macht. Oder alles muss so überspannt klingen. Wenn einer alt ist, da ist er nicht mehr so dicht. Dann atmet er tief durch. Wenn du da mal nach einer gegriffen hattest von den jun­gen Dingern von der Pflegetruppe, hörst du, da haben sie immer sofort nach dei­ner Hand geschlagen.

Keinen Respekt mehr!, schleimst du -- und lachst in dich hinein.

Rotzjunge Dinger, hat er sich aufgeregt. Man soll sich das nur mal vorstellen. Die lassen sich nichts mehr gefallen! Ihr Kerle heute könnt einem allesamt leid tun.

Ein schönes Durcheinander, Mei­ster!, hast du geschimpft. Das mit den Weibern, den Ka­na­ken und dem Spaß! Du setzt allerdings lachend nach, dass das so ist im Leben, nämlich dass es ein Durcheinander ist mit allem.

Im Leben, hat es von nebenan geechot. Angst haben vor dem Abkratzen! Eine ganz feige Bande, heute! Wenn unsereiner Angst gehabt hätte! Du lieber Gott! Wo man in Russland war mit der Wehrmacht -- ein schönes, verfluchtes Land! Was haben die jetzt für einen Sau­stall nach ihrem Kommunismus? Verbrechen und nichts zum Fressen und dazwischen stinkreiche Schieber. Das hat der Amerikaner falsch ge­­­macht. Dass er dem Russen geholfen hat und diesen jüdischen Bolschewisten. Der Deutsche hätte aus den fetten Böden in Russ­land ein Paradies gemacht. Und dem Russen hätten wir das Arbeiten gelernt.

So ein Schote, denkst du. Und womit man im Jiddischen einen Narren bezeichnet, fällt dir ein. Du beschweigst aber dein Staunen, spielst lieber noch mit den Worten, ob das, was er da brachte, auch eine Schote war -- wie sie heute eine irre Story nennen.


Irgendwann pflanzt sich der Polizist an deinem Bett auf. Er hat so etwas wie einen Gruß heruntergeschnarrt, gefolgt von der Aufforderung, nähere Einzelheiten darzu­stel­len. Er hat seinen Block gezückt wie eine Waffe, kommt es dir vor.

Dass sie von zwei Männern tätlich angegriffen sein wollen, hat dir der Polizist er­öffnet, die von ihnen einen Film verlangt hätten, ist mir bereits bekannt. Aber das mit dem Film er­klären Sie näher! Was war da drauf?, fragte er.

Lediglich was von dem Brand da in dem Schloss neulich.

Scheint Sie ja ziemlich kalt zu lassen diese heiße Tragödie, tut der Polizist ent­täuscht. Aber da sieht man es ja wieder, was ihr von der Zeitung für Typen seid.

Ruhig bleiben, hast du dir gesagt und weitergemacht: Aber immer­hin bloß um die­ses Feu­erwerk da bei Men­tenheim ging das auf meinen Filmen. Wo sich ja auch die ver­einigte Uniformiertheit versammelt hatte, Feuer­wehr, Polizei -- und Trachtler, lachst du hinterher.

Lassen Sie das!, hat er dich angefahren -- und weitergeforscht: Um wie viel Uhr ge­nau sind die Schläger erschienen?

Die mutmaßlichen Schläger, hast du ihn belehrt -- und als er die Stirn in Falten hat­te und mit irgendwas loslegen wollte, hast du schnell nachgeschoben: Was glau­ben Sie denn, was die Zei­tung immer Ärger kriegt von wegen Vorverurteilung, wenn wir uns im gerichtlichen Vor­feld nicht so extrem zurückhaltend der textlichen Mutmaß­lichkeit befleißigen!

Er hat nur abgewinkt.

Fünf nach drei Viertel elf Uhr, so ungefähr, in der Nacht.

Geht's nicht noch ein bisschen ungefährer?, hat er genörgelt. Wie sahen ihre mut­maß­­li­chen Täter aus?

Zwei Kleiderschränke.

Präziser!

Präzisionskleiderschränke, hättest du am liebsten geantwortet, hast dir aber den Ka­lauer verkniffen und gesagt: Einsneunzig so etwa, einer etwas kleiner.

Weiter!, fordert er, während er etwas auf sein Papier kritzelt.

Einer mit einem roten Bart und der andere glatt im Gesicht und kahl auf der Birne. So etwas von Speckglanz rundum, das glauben Sie gar nicht, da hätte man das Licht aus­ma­chen können und diese Platte hätte noch die Bude ausgeleuchtet ...

Schluss damit!, hat er sich aufgeregt. Wie soll ich so was zu Protokoll bringen? --Re­flektierende Kopfhaut? Er freute sich über seinen Einfall. Dann ist da wieder sein dienst­licher Ton: Be­kleidung?

Ja ..., hast du angesetzt -- und Luft geholt.

Er ist gleich in Fahrt: Lassen Sie gefälligst Ihre nervige Witzelei!

Schwarze Lederjacke der Kahle, hast du eingelenkt, Anzug der andere, dunkelblau mit Nadelstreifen, vermutlich ...

Während der Polizist wieder etwas notiert, berichtest du: Diese fett­glänzende Ku­gel oben mit ein paar dunkleren Punkten auf der einen Seite. Das waren wohl die Öff­nungen zu die­sem Nichts von Inhalt dort in der schmierigen Blase. Der andere ei­ne Kopie von Rübezahl. Immerhin genug, um allein durch sei­ne räumliche Ausdeh­nung Existenz zu markieren. Sie werden lachen, Herr Wachtmeister, aber dieser Ein­druck ist mir eben so irgendwie apoka­lyp­tisch gekommen, wenn Sie ver­stehen: Diese bei­den Typen da, diese Situation da ...

Aber, aber, wir wollen doch nicht etwa fabulieren!, hat er dich unterbrochen. Dann notiert er etwas. Es ist eine Weile ru­hig. Nur ein Räuspern vom Nachbarbett her.

Ich schreibe ihnen alles auf, hast du zu ihm hin gesagt.

Er stutzt etwas und schaut auf.

... wenn es mir wieder einfällt, setzt du noch hinzu. Es ist sowieso nicht so ganz falsch, wenn man alles irgendwie niederschreibt, hast du noch erklärt, denn beim Schreiben kom­men einem ganz unverhofft Gedanken.

Ist mir auch schon passiert!, ist er gleich eingestiegen und lacht voll heraus.

Du hast dich geärgert und eine Retourkutsche absetzen wollen: Beim Abfassen von Pro­tokollen, nicht wahr, da kommen einem so richtig Gedanken, manchmal?

Es ist eine Pause entstanden, während der du dir vornimmst, dass du die wei­­­ßen En­gel hier um Schreibzeug anbetteln wirst.

Da sieht man es wieder, hat er sich dann aufgeregt, wie ihr von der Zei­tung un­fähig seid, genau hinzusehen, wenn was passiert. Nicht einmal dann, wenn es euch selber mal an den Kragen geht, könnt ihr richtig aufpassen! Möchte nur wissen ...

Wir sollten einigermaßen friedlich miteinander umgehen, hast du ihn unterbrochen, denn Ihr braucht uns ja auch hie und da.

Er schaut dich fragend an.

... wenn Euch wieder mal einer in der Ausnüchterungszelle vermodert.

Er winkt ab: Ein ganz alter Hut. Das haben Sie ja sel­ber aus der Zei­­tung. Und das war im Ausland. Das ist den Österreichern passiert -- noch dazu vor einiger Zeit!

Freilich habe ich das aus der Zeitung. Doch nicht etwa aus einem Polizeibericht! So et­was fällt doch bei euch glatt unter den Tisch!

Ihr Schreiber glaubt den Stuss anscheinend auch noch selber, den ihr schreibt!, hat er ge­lacht.

Aber was Sie wissen möchten, kann ich Ihnen vielleicht sagen oder ...

Glaube ich Ihnen aufs Wort, hat er dich unterbrochen. Aber ich habe schon genug und oben­drein noch was anderes zu tun. Dann hat er weggepackt, dir Genesungs­wün­sche zu­gegrinst und ist abgezo­gen.


Du daust noch eine Weile an dieser Begegnung. Und dann landest du dein Betteln um Pa­­pier und Stift bei so einem von den weißen Engeln. Erstaunen auf der an­de­ren Sei­te. Im Lau­­f der nächsten Stunden wird dir klar, dass du mit deinem Wunsch an­scheinend eine Be­wegung losgetreten hast. Immer wieder mal bist du darauf ange­spro­­chen worden. Ob ein Block genüge, so in Größe eines Geldscheins, so mit Re­­kla­me drauf: AOK, die Gesundheitskasse, oder so was? Nein, danke, hast du da gesagt, du hättest vor, richtig Text zu ma­chen. Wieder dieses Erstaunen: Text, aha! -- Hier?

Es scheppert draußen. Die Tür geht auf. Du hast dem Geräusch nach diese Suleika von der Putztruppe erwartet. Aber da ist so eine weiße Gestalt hereingekommen. Prompt be­ginnt es neben dir wieder zu japsen.

Du siehst noch mal nach dem Mädchen, das da erschienen ist. Sieht in ihrem Weiß aus, wie man sich als Kind einen Engel vorgestellt hat.