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lyrische Texte
von
Hannes Kothe-Opperau
Inhalt
EIN ZAUBER
IN EINEM BÜNDEL BUNTEN TRAUMS
AUS EINER NEBENSTRASSE KOMMEND
DENN DENEN
Kleiner Zug
DIE STUNDE
LICHTWUNSCH
UND STILLE
ALLES WIRD
DAHINDURCH
AN KÜRZER WERDENDEN TAGEN
WAS WOLLTE ICH ABER
ÜBER ALLE
WARTEN
HORIZONTE
ERINNERUNG
MUTTER
SPÄT
DA WIRD UNSERE LAUNE
WAS IMMER
ALLE GESPENSTER
ALS NACHTWÄCHTER AM TAGE
UND UMHERIRRT
UNSERES ALLTAGS
Der Rechtgläubigkeit
Alles das
VERWEILEN
EIN ZAUBER
Ich wollte dem Tag schon
in die Schatten folgen.
Der Abend sagte sich
dort an.
Der Abschied des Lichts
war dann
ganz purpurn gefasst.
Später entstieg
die
silberne
Sichel
des
jungen
Mondes
dem Dunkel jenes fernen Waldes dort.
Und deine Schritte,
sie fanden zu mir.
Ein schöner Zauber
lag über deiner und
meiner Zeit.
Kommen und
Scheiden
verwoben sich
in unsrer Seligkeit
IN EINEM BÜNDEL BUNTEN TRAUMS
Weil heute
ein starker Mond ist,
fällt das Licht, ein Strahlenkatarakt,
über alle Wolkenklippen und ergießt sich
übers tiefe Wiesengrün.
Das Haus wirft
seinen Schatten.
Und der Zecher,
trunken vom schweren
alten Leben,
liegt müde
auf seinem Weg.
Der Lebensbaum verharrt
in starker Muße.
Hinterm müden Auge
treffen sich die Bilder
unbenannt
und versammeln sich
zu einem Bündel bunten Traums.
AUS EINER NEBENSTRASSE KOMMEND
Die
Mondnacht meint es heute
gut mit mir.
Sie zaubert
bunte Folgen
aus ihrem weiten
Plüschgewand
hervor:
Da strömen Scharen
aus
atmenden Häusern,
aus
fließenden Tälern
auf mich zu.
Es hüpft und springt
und
dreht sich mir
entgegen.
Ich breche auf,
den Reigen zu empfangen
und
halte auf die Szene
zu.
Über die Schulter
blickend,
nehme ich den Burschen wahr,
der,
aus einer Nebenstraße kommend,
sein rosa Schwein
zu Markte treibt.
DENN DENEN
In so mancher Bangnis
spielt schon ein schmaler Lichtstreif
seine tröstliche Rolle
auf den Brettern
die die Fantasie bedeuten.
Denn denen mit dem
Glauben an das Licht,
denen kann
selbst der düsterste Tag die Sterne
nicht vergessen machen.
Und auch eine
Knospe im Winter kann werden. Und das Warten
auf die farbenreiche Sonne.
Kleiner Zug im
großen Wurf von A
bis Zet:
Da hat wer das Wagnis unternommen
ins allgemeine Schweigen
seine Lebenslust zu jodeln.
Aus dem Grashalm
wächst das Staunen
und der blinde Tauwurm.
Was immer der Morgen als solcher
mit meinem Tag
zu tun gehabt haben mag.
DER KOPF HÄNGT IM WIND
weil die Sonne
eine Litanei ist.
Dann schließt sich die
Waggontür. So stehe ich
plötzlich im Abend.
DIE STUNDE
Die Linie als Gerade vorgedacht:
weltbetreibende Vermeintlichkeiten.
Und diese Existenz
des rechten Winkels immer.
A. Einstein sitzt noch
in der Hinterstube des Patentamts.
Der Plan hat jedoch Gestalt: Das Netz
der Vorstellung soll neu geknüpft werden.
Dann ist da auch der Griff zur Geige:
Der Mond zieht im Bogenstrich herauf
und durch den Wolkenschleier lässt sich
die Parabel seines Laufs erkennen.
Diese Aufbruchstimmung ist nichts weniger
als sphärisch begnadet. Sie schafft sich
ihr All in dem irgendwo das Raumschiff
der Gedanken seine Bahnen zieht.
Ein Kosmos (zwar gestaltloser Möglichkeiten)
ist jederzeit vorhanden: Die Stunde der Schöpfung
ist immer schon angebrochen
bevor man sie auch denken kann.
Und eine Welt voll Ahnung
und dem unendlich tragenden Saitengesang.
LICHTWUNSCH
Die
singende Kraft im
Flügelschlag.
Ein
Schwarm blaufedriger
Tauben.
Kreisen
im Lichtwunsch unseres
Mondes.
UND STILLE
In Gedanken
ein Pfad
zum
Herzen der Geliebten.
Ein silberner
Saum,
ein Weg deutet sich an
im
kühlen Licht des Abends.
Der Aufbruch
im
Fluge der Liebe,
dem
Tanzschritt des Lebens.
Und Stille
aus dem tiefen Samt
der Nacht.
ALLES WIRD
Am Tage noch
hinter Flechten hausen,
die deine Luftschlösser immer
überziehn.
Den Stein des Ansrtoßes
in Nacht hüllen wollen,
dass sich alles dem Blick
entzieht.
Auf dem Bildschirm gedeiht dann,
zwar
aus nichtigem Anlass,
so was wie Wissensdurst als Lebensgeist:
Ein Frisör geigt
sein Messer am Riemen
gegen Feierabend hin.
Ein Prediger bringt
die soundsovielte Variation
vergessenen Grundthemas ein.
Und wer mit wem
woundwannwarum
An wessen Kehle sitzt das Messer?
Der Zeit-Grund-Ort öffnet sich
als Falle hinter der Stirn.
Doch immerhin sprießt unterdessen
am Fenster
im sanften Mondschein
der heilsaftige Aloe.
Alles wird doch wieder
irgendwann bei dir und
den anderen
gut.
DAHINDURCH
Beim Cocktail der Kolportagen
(wie stets flächendeckend verbreitet):
Im Sinne irgend so eines
Manipulanten ziehn?
An den Ausfallstraßen
des Tages entlang.
Die Lichtkegel bohren sich
in die Geheimnisse der Nacht.
Und Häuser und Wiesen,
das Cocacolaschild
ruhen wieder ihre Farben aus.
Dahindurch und
in den eigenen Abend gehn.
AN KÜRZER WERDENDEN TAGEN
Wir sind schon weit:
Die späte Sonne nimmt
den Tag mit sich
auf Reisen.
Über unsere bunte
Ansicht breitet sich
Nebel,
ein zarter Chiffon.
Etwas später lässt es
der Abend zu:
Die Nacht dufte schon nach
Schnee.
WAS WOLLTE ICH ABER
Ich fädelte den Tag
durchs Öhr
meiner Sinne.
Nun richte ich
meiner Ruhe das
Gewand.
Was wollte ich aber
sonst,
das ich tun sollte?
Ich baute träumend
einer Zukunft
das Haus.
ÜBER ALLE ...
Aus einem Schwung
sind heute diese
Stunden.
Hier
am Rande der Stadt.
Was in Laune
bringt,
gießt den Himmel aus
über Freunde und
alle.
Dieser Zustand heilt die Wunden
der von tausend Lichtern
aufgerissenen Nacht und
begnadigt sogar die vielen falschen
Töne.
In den späten Stunden
erscheint dann manchmal
der Lack der Limousinen wie
Zuckerguss.
WARTEN
Ausschau halten
und betrachten.
So manches Angesicht
deuten.
Warten auf den
Augenblick, in dem dir
aus der verwirrenden Menge die
eine Gestalt aufgeht.
Warten in dem Dunkel
aus dem dir
Augen wie Sterne
aufgehn
Warten.
Den Sand der Zeit
unter den Füßen
wissen.
HORIZONTE
Begegnung.
Kniend umfangen.
Den Tag befreiend
in den Abend
wiegen.
Verschmelzen der
Horizonte:
Grün fließt
in den Azur.
Und alles
schwingt:
Grenzen in Bewegung,
Rhythmen und
Reigen:
Unsere Welt will doch
erschaffen sein.
Denn die Nacht, die
Freundin der Verliebten,
zieht herauf.
ERINNERUNG
Goldne Frau
im schwarzen Morgen,
lila Traum und
graue Möglichkeit.
Sehnsucht flattert,
weiße Taube,
lebevoll in die
azurne Weite.
Auf der Erde
ziehn die Blicke,
gehn die Schritte
meinen Weg.
Goldne Frau
im roten Herzen:
in Erinnerung
Farbe, Form.
Aus deiner Herz
pochenden Sehnsucht
trunkenen Nacht
in die Staubpartikel
der
Leibhaftigkeit.
Sein,
Wenn es auch noch so
quirlte.
Ein Stein manchmal:
Die Gedanken fliegen einem
so schön und auch so weit.
Und diese Trennung
auch der gordischen Gefüge.
Zum tiefsten Empfinden.
MUTTER
Spät
Begriffe
gleiten aus ihren Kreisen im
Selbst
hinein
in die Umarmung der Venus
Melancholie.
Letzte
Strahlen Tags sind
schon verglüht.
DA WIRD UNSRE LAUNE
Wenn wir
die Stuben leid sind
unsere Blicke über das
Anthrazit der müden Öfen streifen,
da weinen die Nächte immer wieder
um die sattfarbenen Märchen der Natur.
Und ihre Tränen fallen
In das verschlissene weiße Tuch.
Aber eine Nacht ist unter den vielen
die wird Mutter des blauen Bandes sein.
Und ihre lauwindigen Schwestern sind
vollherzige Ammen, sie wiegen den Baum:
Da wird unsere Laune der junge Frühling,
der gießt uns die Stunden aus goldenem Gefäß.
WAS IMMER
Kleiner Zug im
großen Wurf von A
bis Zet:
Da hat wer das Wagnis unternommen,
ins allgemeine Schweigen
seine Lebenslust zu jodeln.
Aus dem Grashalm
wächst das Staunen
und der blinde Tauwurm.
Was immer der Morgen als solcher
mit meinem Tag
zu tun gehabt haben mag.
Der Kopf hängt im Wind,
weil die Sonne
eine Litanei ist.
Dann schließt sich die
Waggontür. So stehe ich
plötzlich im Abend.
ALLE GESPENSTER
Ein tiefer Dämmer
überfliegt mich.
Ein großmächtiger Vogel
mit seinem Schatten, der
alles Land (in Sicht)
abdeckt.
Der frisch geworfene Gedanke
wird dem Vergessen zurückgeschenkt.
Und die Reinheit
unbesetzbarer Flächen begründet sich.
Wie eine Segenshand
(mit ihrem Kreuzschlag etwa)
alle Gespenster aus den Nerven
bannt.
ALS NACHTWÄCHTER AM TAGE
Mein Auge
kramt am Morgen in der
Erinnerung immer wieder nach einem
verschollenen Traum.
Etwas später wird die Suche
(meistens) ergebnislos abgebrochen.
Denn ich muss ja den Versuch wagen,
den Tag anzugehn.
Wenn ich wieder außer mir bin,
beobachte ich am anderen Ende
meiner selbst den Turmbau zu
Babel aus all meinen Zwängen.
Schließlich ist es mir,
als müsste ich mich
in irgendeine Tiefe
stürzen.
Da begegnet mir zuweilen der
Eindruck, als Nachtwächter am
Tage rot bemantelt (obendrein)
durch irgendwelche Gassen zu ziehn.
UND UMHERIRRT
Wenn das Licht
geht,
tuscheln die Schatten
nicht mehr
Sie vereinen sich und
überziehen die
Seele, die
im Dunkeln ihr
Licht nicht finden kann
und umherirrt
an den unverrückbaren Dingen
sich stoßend
Wie wird sie sich im
Schmerz
erkennen
UNSERES ALLTAGS
Da streichen
Schemen über den Grund,
auf dem wir stehn.
Und wenn der Neonmond wieder
angeknipst wird,
schlürft
die Verwirrung den künstlichen Tag
aus tausend blechernen Dosen.
Irgendwann verrottet
unsere Zeit in einer
Wolkengruft:
Hinterm Friedhofswall das
Lager suchen. Im schwarzen Abdruck
des Grabsteins
lauert keine Beinhand mehr.
Denn die Gespenster sind
verzogen,
grünen giftig digital auf asphaltgrau
und strahlen
im Heiligenschein des Friedens aus dem
Raketenschacht.
Aus den Kellern unseres Alltags.
Der Rechtgläubigkeit
Mit der Stimmung im Recht,
dass er über den Bildschirm gebrochen wird.
Ein verfallener Tag.
Diese Wüsten.
Ein schmutziger Flüchtlingsstrom
flimmert vorüber.
Alles Leben eine Herde Viehs.
Mit großen
traurigen Augen
dahinwanken.
Und überquellende Massengräber.
Der Rechtgläubigkeit rinnen die
Menschenleiber
durch die zum Gebet verkrallten Finger.
VERWEILEN
Mit dem Mut der
Posaune
gegen alles
Dunkel
ansingen.
Die einsamen
Wege
bündeln
zu einem Faden
Morgenröte.
Und dennoch verweilen
im letzten Dämmer
der zur Nacht befriedeten
Verzweiflung.
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